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Rolf Trächslin / Ralph Jones
Der folgende Text wurde, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aus der Sicht von Sylvia, die Geschwisterälteste, verfasst

Rolf wurde am 9. April 1963 in Basel, Schweiz, geboren. Er war das zweite von drei Kindern. Als er geboren wurde, hatten die Eltern aufgrund einer Erbschaft viel Geld. Alles schien wunderbar zu sein, nach kurzer Zeit war dieses Geld jedoch aufgebraucht. Die Eltern begannen mit den Kindern von einem Ort zum anderen zu ziehen. Der Vater hatte Beziehungen mit anderen Frauen, die Mutter blieb oft ohne, oder mit wenig Geld zurück, dementsprechend war das Einkaufen von Nahrungsmittel und das Bezahlen von Rechnungen erschwert.
Das dritte Kind kam 1965
als Frühchen zu Hause zur Welt, nachdem die Mutter in dem am verfallenden Haus, in welchem damals gewohnt wurde, die Treppe runtergefallen war. Rolf und Sylvia erlebten die Geburt ihres jüngeren Bruders in einem Kämmerchen neben dem Wohnzimmer mit. Vor oder kurz nach der Geburt des jüngeren Bruders erlebten Rolf und Sylvia einen Kinderheimaufenthalt, wo Rolf jede Nacht, im Kinderbett neben Sylvia's Bett, nach seiner Mutter rief, und von Nonnen mit Bändern an seinen Händen ans Bettgitter festgebunden wurde, damit er nicht aus dem Bett klettern konnte.

Erneut wurde umgezogen. Dieses Mal ging es in eine neue Überbauung in Flüh. Dort gab es viel Gewalt rund um die Überbauung, auch im Haus selber (in der Wohnung gegenüber erschoss ein Mann seine komplette Familie und sich selber) und in der Familie. Für die drei Kinder gab es keinen geborgenen, sicheren Ort. Die Eltern zogen zurück nach Basel in ein Haus, welches einem Onkel gehörte, der bei der Basler Kantonspolizei arbeitete. Sylvia erinnert sich, dass Rolf in jenem Haus, in welchem viel häusliche Gewalt (vornehmlich in Sylvia's Kinderzimmer) vorkam, anfing auf der Gitarre des Vaters zu spielen und Jimi Hendrix zu kopieren, was er unglaublich gut konnte.

1970 trennten sich die Eltern. Erst lebten alle drei Kinder bei der Mutter im selben Kinderzimmer an der Holeestrasse in Basel, was insbesondere abends zu Higlights verhalf, wenn die drei Kinder alle möglichen Songs sangen. Rolf besuchte Gitarren-Stunden bei Oskar Klein (Basel). Er spielte unter anderem im Atlantis, wo die Kinder schon in früheren Zeiten mit ihren Eltern Konzerte von Chris Barber oder The Picadilly Six hören waren. Als Rolf dort das erste Mal spielte, war das zusammen mit dem Vater und dem Grossvater Trächslin. Damals war er ca. 9 Jahre alt. Für den Vater war Musizieren (Gitarre,  Mundharmonika, Gesang) ein wichtiges Hobby. Für den  Grossvater war Musik sein Beruf. Der Grossvater liebte es Motorrad zu fahren und zu fischen, und nahm Rolf auf dem Motorrad mit zum Fischen.

Sylvia erinnert sich, dass Rolf in ein Heim in Guarda Val kam, und dass sie ein Mal dabei war, als die Mutter und ihr damaliger Freund  Rolf besuchen gingen. Was Rolf bezüglich Kindsmissbrauch erlebte war zumindest Sylvia nicht bekannt. Rolf lernte dort jedoch Ski fahren, und war darin echt gut.
Wegen psychischer und emotionaler Gewalt von Seiten der Mutter zog Sylvia zu ihrem Vater. Der Vater schaute gut zu ihr. Er schockierte sie jedoch eines Tages mit einer inzestuösen Handlung, worauf sie aus Angst vor weiteren Übergriffen wenige Wochen später zurück zur Mutter ging.

Zur selben Zeit fühlte sich die Mutter von Rolf's Verhalten und Handlungen (deren Ursprung wiederum in früheren gewalttätigen Akten ihm gegenüber hatten) überfordert, und liess diesen zum Vater gehen. Wie Rolf beim Vater in den darauffolgenden Jahren lebte, und was er dort erlebte, war nicht bekannt, lediglich, dass er Fussball spielte, in einer Fasnachtsclique war, anscheinend auch Probleme in der Schule hatte, und sich heftigere "Bubenstreiche" leistete, für welche er bestraft wurde. Manchmal kam er zu seiner Mutter und den beiden Vollgeschwistern zu Besuch - dies waren die Momente, während welchen auch Bilder mit allen drei Geschwistern entstanden.

Ungefähr im Jahr 1977 zogen die Mutter und beiden bei ihr lebenden Geschwister erneut um. Dieses Mal gemeinsam mit dem zweiten Ehemann der Mutter in ein von der Grossmutter Julia gekauftes Haus. Rolf stand eines Tages um 7 Uhr morgens in Sylvia's Zimmer. Er erzählte ihr, dass er seit Jahren vom Vater  geschlagen würde, und er nicht mehr zu ihm zurückgehen werde. Sylvia bat ihre Mutter darum, Rolf bei ihnen bleiben zu lassen. Rolf begann dann eine Maurerlehre, welche er jedoch im ersten Lehrjahr-Winter aufgrund der Pneumotorax-Erkrankung, die im 9. Lebensjahr diagnostiziert worden war, abbrechen musste. Er wendete sich intensiver der Musik zu. Cirka. 1980/1981 zog er gemeinsam mit seiner ersten Liebe Maria in eine eigene Wohnung. In dieser Zeit sang und spielte er Gitarre in der Band  CATS COMBO (Music & Videos). Später zog er in die französischsprachige Schweiz und sang und spielte Gitarre in den Bands CRAZY CATS, U-RATS und FIL ROUGE

Eines Tage telefonierte Rolf Sylvia und erzählte ihr, dass er wegen Drogenbesitz im Gefängnis von Lausanne gelandet sei, und dass er einen Ort brauche wo er unterkommen könne. Er lebte einige Wochen in Sylvia's Wohnung und zog nach Unstimmigkeiten zum Vater auf den Erlenhof, wo dieser wohnte und arbeitete. Eines Tages erhielt Sylvia aber die Nachricht, dass Rolf wegen Schulden bei der Armee ins Ausland geflüchtet sei. Später erhielt Sylvia einen Brief von Rolf, in welchem er ihr mitteilte, dass er in London lebe, sie der Familie aber nichts darüber erzählen solle. Manchmal erhielt Sylvia Briefe von Rolf mit witzigen Texten und Comics auf dem Briefumschlag. Eines Tages dann teilte Rolf Sylvia mit, dass sie der Familie nun mitteilen könne wo er lebe. Daraufhin reisten die Mutter, etwas später auch der jüngere Bruder nach London.

Im Jahr 1993, nach einer längeren Funkstille, telefonierte Rolf Sylvia und erzählte ihr, dass er Heimweh habe, und sein Manager ihm gesagt habe, er könne jemanden aus der Familie zu sich nach London einladen. Der Flug, die Unterkunft und Verpflegung würden finanziert. Rolf wünschte sich, dass Sylvia ihn besuchen komme. So sah Sylvia Rolf, nach acht Jahren, am 29. Mai 1993 wieder. Sie wollte Rolf dann auch darüber informieren, dass der Vater ein paar Wochen vor ihrer Reise nach London, an Rolf's Geburtstag, am 9. April 1993, verstorben war. Rolf reagierte äusserst emotional, und fragte laut, weshalb der Vater ausgerechnet an seinem Geburtstag sterben musste. Weiter meinte er, dass er seinen Geburtstag ab jetzt nie mehr feiern würde. Sylvia fragte ihn wo das Problem sei, und Rolf begann zu erzählen, dass er während der Kindheit vom Vater nicht nur geschlagen, sondern auch sexuell ausgebeutet worden sei.  Es war das erste Mal, dass sie auf dieses Thema zu sprechen kamen und realisierten, dass sie in der Familie beide verschiedene Formen von Gewalt  innerhalb der Familie (mit)erlebt hatten. - In Rolf's Wohnzimmer lagen Spielsachen auf dem Fussboden. Rolf erklärte Sylvia, dass die seinem Sohn gehören, der mit seiner Mutter in Frankreich lebe. Als Rolf tod war, wurde Sylvia erzählt, dass Rolf einen weiteren Sohn in den USA habe. Vielleicht entdecken diese eines Tages diese Site und nehmen  Kontakt auf.

Im Oktober 1993 telefonierte Rolf Sylvia erneut, und sagte ihr, dass er aus England ausreisen müsse, und in Basel einen Platz zum Wohnen brauche. Drei Tage später landete er in Basel-Mulhouse, und lebte drei Monate lang in Sylvia's Wohnung, gemeinsam mit ihren Kindern und damaligen Ehepartner. Sylvia bat Grossmutter Julia um finanzielle Hilfe für Rolf, damit seine Schulden bei der Armee bezahlt werden konnten, so dass er wegen diesen nicht ins Gefängnis musste. Grossmutter Julia bezahlte nicht nur Rolf's Schulden, sondern auch drei Gitarren. Rolf konnte wieder komponieren .

Damals glaubte Sylvia, dass eine schöne Familienzeit beginnen würde. Rolf fand Arbeit, verdiente Geld, war in eine Nachbarin mit zwei Jungs verliebt, zog zu dieser in die Wohnung und blühte auf. Sylvia's Kinder verbrachten viel Zeit mit Rolf und seiner neuen Familie, denn alle wohnten nun in derselben Wohngenossenschaft in Riehen. Unter Music & Videos werden 6 Songs erwähnt. Diese hatte Rolf in jener Zeit komponiert.

Anfang 1997 ging der Kontakt zwischen Rolf und Sylvia erneut für einige Jahre verloren. Dies, nachdem Sylvia ihren damaligen alkoholkranken Ehepartner, welcher begann die gemeinsamen Kinder zu attackieren, aus der Wohnung gewiesen hatte, sowie, nachdem Sylvia ihre Mutter darüber informiert hatte, dass deren neuer Lebenspartner einen sexuellen Übergriff auf Sylvia verübt hatte. Dieser stritt alles ab, die Mutter wollte diesen Fakt nicht wahrhaben und ihre Beziehung riskieren, und brach den Kontakt mit Sylvia ab.

Erst Ende 2002, als Rolf mit einer neuen Freundin und der Single Miss You zur Geburtstagsfeier der Mutter im Elsass erschien, an welche auch Sylvia nach jahrelangem Kontaktunterbruch hinging, sah Sylvia Rolf wieder. Im 2004 startete Sylvia mit der Entwicklung eines Präventionsprogramms, 2005 fragte sie Rolf, ob er für dieses Programm beziehungsweise für einen Film die Filmmusik, Tontechnik und die Kompositionen eines Rollen-Rap Helden, Sündenböcke & Co  übernehmen wolle. Im Spätsommer 2006 brach Rolf den Kontakt zur Mutter ab.

Gegen Ende 2006 fragte Rolf Sylvia für die Projektleitung und -trägerschaft im sozialen Projekt WAKE UP OUR CHILDREN ARE THE LEADERS OF TOMORROW an. Sylvia sollte ein Projektkonzept erarbeiten und die Finanzierung organisieren. Die Finanzierung des Projekts wurde jedoch von verschiedenen Seiten her abgelehnt. Zum selben Zeitpunkt realisierte Sylvia, dass Rolf auf Myspace mit anderen zusammen begonnen hatte sein "eigenes Ding" zu machen, und Sylvia's Projektkonzept, ohne Nennung ihres Namens sowie ohne ihr Wissen, auf Myspace als sein soziales Projekt WAKE UP veröffentlicht hatte. Links von Sylvia's Projektkonzept befanden sich Beschreibungen von Rolf's Erfahrungen mit dem Vater und darunter Bilder von missbrauchten Kindern. Nachdem sie Rolf mitgeteilt hatte, dass sie nicht hinter dieser Strategie und diesem Vorgehen stehen wolle, und die Projektträgerschaft und -leitung niederlegen wolle, schrieb Rolf ihr: "hi sylvia, du bist meine schwester und ich habe dich sehr lieb, aber im moment bin ich so enttäuscht über deinen austritt aus wake up! ich brauche eine kleine pause um über das hinweg zukommen! viele liebe grüsse, dein bruder".

Rolf kontaktierte Sylvia im 2009 noch einmal mit einer Email, in welcher er sie fragte, ob sie mit ihm Kaffee trinken gehen. Sylvia antwortete ihm nach Jahren immer wieder zu Hilfe zu eilen, dass die "familieneigene Tankstelle geschlossen sei". Darauf hörte sie nie mehr etwas von Rolf. 

Im Dezember 2015 war Sylvia mit dem Fahrrad unterwegs, und sah einen älter aussehenden Mann die Strasse überqueren. Beim Näherkommen fragte sie sich, ob das Rolf sein könne. Als sie noch näher kam, schien ihr dies unmöglich zu sein, denn dieser Mann sah älter und im Gesicht völlig verändert aus. Auf jeden Fall glich dieser Mann nicht ihrem Bruder, welchen sie im 2007 letztmals gesehen hatte. Auch dieser Mann schaute sie an, reagierte jedoch nicht. Nach Rolf's Tod, als Sylvia auf der Website von Tison Candelo ein Foto aus dem Jahre 2015 sah, wusste sie, dass dieser ältere Mann Rolf gewesen war.

Wie und mit wem Rolf ab Ende 2007 bis zu seinem Tode im 2016 gearbeitet hatte, versuchte Sylvia jeweils über das Internet zu erfahren. Mit wem er in Kontakt stand, und wie er bis zu seinem Tod gelebt hatte, erfuhr Sylvia jedoch erst nach seinem Tode von Menschen, welche mit ihm zusammen gelebt, und/oder mit ihm Musik gemacht und produziert hatten.

Als Rolf begann seine Erfahrungen im Zusammenhang mit Gewalt und Inzest zu benennen, wurden diese Informationen von einigen Angehörigen abgewehrt, in Frage gestellt oder im eigenen Interesse (mehr Aufmerksamkeit bekommen, wenn darüber geklagt werden kann) missbraucht.
Im Fall von Sylvia wurde der erfahrene Inzest und die (mit)erlebte Gewalt verdrängt. Rolf und Sylvia
litten, wie alle Opfer, unter den Auswirkungen des Erlebten, sei es beziehungsmässig, sozial, emotional und körperlich.

Rolf brachte  seinen Schmerz, die Folgen (Alkohol- und Drogenabhängigkeit), aber auch seine Kritik an einem, aus seiner Sicht Gewalt und Ausbeutung unterstützenden Gesellschaftssystem in seinen Werken zum Ausdruck. So auch im Werk The Little Boy Never Did Stand A Chance.

Im Sommer 2015 erfuhr Rolf, dass ihm nur wenige Monate Lebenszeit blieben, und er ans Bett gefesselt sowie angehängt an Geräten durch Ersticken sterben würde. Er supportete und produzierte noch die Band Tison Candelo, stellte Anfang August 2016 den Last Song auf youtube, und nahm sich Anfang September 2016 im Rhein (Basel/Schweiz) das Leben.

Die danach sie abspielenden Ereignisse können als Spiegelung von Rolf's Kindheit, Jugend und Erwachsenddasein interpretiert werden: Lügen, Intrigen, Manipulationen, Verletzungen, Schikanen, Gewalt. Ab jetzt wird das Recht auf LEBEN, FREUDE, KRAFT, WÜRDE, MEINUNGSFREIHEIT und INTEGRITÄT  jedoch wahrgenommen!

Das von Rolf Erlebte und sein musikalisches und poetisches Schaffen sollen mit dieser Website nicht  verdrängt und vergessen werden können, sondern mögen ohne Schuldzuweisungen und Wiedergutmachungsansprüche in Erinnerung bleiben.

Das, was Rolf erlebt hat wird tagtäglich unzähligen, unschuldigen Kindern und Jugendlichen angetan und hat lebenslange Auswirkungen! Deshalb wurde Rolf auch www.holdirhilfe.ch gewidmet.